Corona-Krise

Fragen der strategischen Einschätzung der Corona-Krise spielen zur Zeit eine wichtige, teils sogar zentrale Rolle für den Mittelstand. Darum soll es in diesem Bereich gehen (konkrete Unterstützungsangebote behandeln wir hier: https://kmu-management.de/corona-hilfe-kmu/).

Letztes Update 11.02.2021; Erstfassung 03.11.2020:

Für mittelständische Unternehmen vieler Branchen bedeutet der seit 02.11.2020 verhängte zweite Lockdown („light“) eine erhebliche Belastung. So warnt der Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW vor gravierenden Folgen: „Der ganz überwiegende Teil des Mittelstands verkraftet definitiv keinen zweiten Lockdown.“

In wirtschaftlicher Hinsicht leiden KMU und Mittelständler vieler Branchen enorm (z.B. Gastronomie/Event, stationärer Einzelhandel, verbraucherorientierte persönliche Dienstleister). Manche Branchen hingegen scheinen wenig tangiert (z.B. Baubranche, Lebensmittel-EH). Manche auf Digitalisierungsangebote bzw. Medizintechnik spezialisierte Unternehmen profitieren natürlich auch von der Krise. Nicht zuletzt tun dies große Online-Konzerne. In der Summe rechnet aber z.B. das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) „mit einem Rückgang des BIP von insgesamt 7,25 Prozent. “ (Welt.de).

Auch wenn Bund und Länder einiges unternehmen, um finanzielle Härten und Umsatzeinbußen bei Unternehmen abzufedern (wie ja auch bei Arbeitnehmern, etwa durch Kurzarbeit-Regelungen): Jedem Unternehmer ist klar, dass solche – steuer- und schuldenfinanzierten – Maßnahmen allenfalls kurzfristig sinnvoll sein können. Mittel- und längerfristig können diese Hilfen keinesfalls gesunde Umsätze aus Unternehmenstätigkeit ersetzen!

Ein Faktor ist sicherlich auch, dass anders als noch im März 2020 beim ersten Lockdown, inzwischen eine deutlich geringere Akzeptanz solcher Maßnahmen in breiten Bevölkerungsschichten vorhanden ist. So wird teils kritisiert, die Maßnahmen seien nicht verhältnismäßig, ineffizient bzw. gar auch rechtswidrig.

Die kritischen Stimmen mehren sich, seit der erneuten Lockdown-Verlängerung vom 10.02.2021, zumal nun plötzlich ein Inzidenzwert von 35 statt vorher 50 zum „Maßstab“ für Lockerungen erhoben wird, was in mehrfacher Hinsicht wenig überzeugt.

Weiter rücken mit zunehmender Lock-Down-Dauer die „Kollateral-Schäden“ einer solchen Strategie in den Blickpunkt (Konsequenzen verschleppter Vorsorge-Untersuchungen, ungesunde Lebensweise im Lockdown, psychische Probleme und Depressionen, nicht zuletzt bei Kindern und Heranwachsenden, wirtschaftliche längerfristige Folgen etc.).

Ein weiterer Grund für die zunehmend kritische Sicht vieler dürfte daneben auch in vorliegenden statistischen Erfahrungswerten liegen. So stellt sich exemplarisch die Situation im rel. stark betroffenen Berlin wie folgt dar (die Verteilungen weichen andernorts kaum ab):

Corona-Fallzahlen und Letalität in Berlin, Stand 3.11.20 vs 04.12.20 vs. 04.02.21 (* Reduktion Verstorbene U40 lt. Quellenangabe)

Es fällt ins Auge, dass der Anteil tödlicher Verläufe in den Altersgruppen unter 50 sehr gering ist (ca. 0,02%), mit zunehmendem Alter allerdings deutlich steigt. Zu bedenken ist dabei, dass es sich bei der Vergleichsgröße „Fallzahlen“ ausschließlich um per Test bestätigte Infizierte handelt. Allein da die Anzahl durchgeführter Tests, sowie die Kriterien der Auswahl der zu Testenden immer wieder Veränderungen unterworfen sind und außerdem (bei einmaligen PCR-Tests) wohl mit einer gewissen“false-positive“ Fehlerquote zu rechnen ist (genannt werden u.a. 0,1%) stellt dies keine belastbare Vergleichsgröße dar.

Durch eine Dunkelziffer, welche je nach Schätzung das x-fache der erfassten Infiziertenzahl umfasst (lt. Heinsberg-Studie z.B. das 5- bis 10-fache), sinkt die „wahre“ Letalitätsquote nochmals substantiell. So deuten auch Erkenntnisse einer neuen Meta-Studie darauf hin, dass die reale Letalitätsrate – über alle Altergruppen hinweg eher bei ca. 0,25% liegt ; mittlerweile sogar eher geschätzt auf 0,1%. Viele Menschen scheinen kaum oder nur sehr schwache Symptome zu entwickeln.

Im Ergebnis liegt das deutschlandweite Durchschnittsalter der Corona-Opfer bei 82-84 Jahren. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 81 Jahren!

Hinzu kommt überdies, dass die Definition „an oder mit / im Zusammenhang mit Corona verstorben“ auch Fälle einschließt, die nicht allein kausal an Corona versterben. Das können alle anderen Gründe sein, z.B. Multimorbidität, wie sie bei sehr alten Menschen öfter vorliegt. Sobald zusätzlich ein positiver Testbefund vorhanden ist, geht der Fall in die Corona-Opfer-Statistik ein. Selbst bei Unfallopfern wäre das der Fall. Ein drastisches Beispiel kann dies verdeutlichen: Nach dieser Zählweise wäre auch George Floyd ein Corona-Toter. Allerdings dürften solche Fälle die statistische Ausnahme darstellen.

Bzgl. der o.g. viel relevanteren Multimorbidität liegen nach unserer Erkenntnis leider noch keine belastbaren repräsentativen Daten vor, Einzelbefunde aus Autopsien deuten aber auf den starken Einfluss von Vorerkrankungen auf schwere Verläufe hin.

Auch ohne Corona sterben täglich in Deutschland ca. 2.600 Menschen – Im langjährigen Mittel sind dies (regelmäßig) um die 950.000, d.h. eine knappe Million Todesfälle – ein vielfaches der bislang zu beklagenden Corona-Opfer (ca. 60.000 an/mit Corona vom 9.3.20 bis 4.2.21). Ca. 750.000 aller jährlichen Todesfälle lassen sich lt. Stat. Bundesamt im übrigen auf die Ursachen

  • Herz-/Kreislauf (331.200 Fälle)
  • Krebs (231.300 Fälle)
  • Atemwegserkrankung (67.000)

zurückführen; Befunde, die sehr häufig auch in Kombination mit letalen Coronaverläufen auftreten (dann aber als Corona-Opfer gezählt werden).

Wenngleich eine solch „statistische Betrachtungsweise“ natürlich nicht der subjektiven Tragik jedes einzelnen Verlusts gerecht wird, kann die Einordnung in diesen größeren Maßstab doch nicht unterbleiben!

Unter dem Strich lassen sich nach wie vor zwei „Ansichten“ bzw. grundsätzliche Haltungen in der Wirtschaft, Politik und der gesamten Gesellschaft erkennen:

  • Fokussierung auf Eindämmung der Infiziertenzahlen ggf. durch wiederholten Lockdown (ggf. bis zu „#ZeroCovid“) vs.
  • Fokussierung auf Schutz besonders Gefährdeter kombiniert mit „leben lernen mit dem Virus“

Erstere Haltung ist eigentlich nur unter Berücksichtigung der Hoffnung auf eine Lösung durch wirksame Impfstoffe erklärbar. Diese Lösung erscheint durch Ende November 2020 veröffentlichte Erfolgsmeldungen mehrerer Impfstoffentwickler und inzwischen (wenn auch schleppend) gestartete Impfkampagnen inzwischen greifbarer. Bis diese allerdings in der Breite der Bevölkerung verteilt sind, dürfte es bis weit in die Mitte 2021 dauern, bzw. könnten nach Ansicht mancher Experten gar noch 2-3 Jahre vergehen.

Tipps zu aktuellen konkrete Unterstützungsfaktoren für KMU, Mittelstand, Freiberufler und Selbständige finden Sie hier: https://kmu-management.de/corona-hilfe-kmu/.