Corona-Krise

Fragen der strategischen Einschätzung der Corona-Krise spielen zur Zeit eine wichtige, teils sogar zentrale Rolle für den Mittelstand. Darum soll es in diesem Bereich gehen (konkrete Unterstützungsfaktoren behandeln wir hier: https://kmu-management.de/corona-hilfe-kmu/).

Stand: 03.11.2020: Für mittelständische Unternehmen vieler Branchen bedeutet der seit 02.11.2020 verhängte zweite Lockdown („light“) eine erhebliche Belastung. So warnt der Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW vor gravierenden Folgen: „Der ganz überwiegende Teil des Mittelstands verkraftet definitiv keinen zweiten Lockdown.“

„Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet mit einem Rückgang des BIP von insgesamt 7,25 Prozent. Ein Prozentpunkt gehe auf Kosten des jetzigen Lockdowns.“ (Welt.de).

Auch wenn der Bund einiges unternimmt, um finanzielle Härten und Umsatzeinbußen bei Unternehmen abzufedern (wie ja auch bei Arbeitnehmern, etwa durch Kurzarbeit-Regelungen): Jedem Unternehmer ist klar, dass solche – steuer- und schuldenfinanzierten – Maßnahmen allenfalls kurzfristig sinnvoll sein können. Mittel- und längerfristig können diese Hilfen keinesfalls gesunde Umsätze aus Unternehmenstätigkeit ersetzen!

Ein Faktor ist sicherlich auch, dass anders als noch im März beim ersten Lockdown, inzwischen eine deutlich geringere Akzeptanz solcher Maßnahmen in breiten Bevölkerungsschichten vorhanden ist. So wird teils kritisiert, die Maßnahmen seien nicht verhältnismäßig, ineffizient bzw. gar auch rechtswidrig, weshalb mit (erfolgreichen) Klagen dagegen zu rechnen sein könnte.

Der Hintergrund dieser Argumentation dürfte sicherlich auch in – mittlerweile vorliegenden – statistischen Erfahrungswerten liegen. So stellt sich exemplarisch die Situation im rel. stark betroffenen Berlin wie folgt dar:

Corona-Fallzahlen und Letalität in Berlin, Stand 18.11. vs. 03.11.2020

Es fält ins Auge, dass der Anteil tödlicher Verläufe in den Altergruppen unter 50 sehr gering ist (0,02%), mit zunehmendem Alter allerdings deutlich steigt. Zu bedenken ist dabei, dass es sich bei der Vergleichsgröße „Fallzahlen“ ausschließlich um per Test bestätigte Infizierte handelt.

Durch eine Dunkelziffer, welche je nach Schätzung das x-fache der erfassten Infiziertenzahl umfasst (lt. Heinsberg-Studie z.B. das 5- bis 10-fache), sinkt die „wahre“ Letalitätsquote nochmals deutlich. So deuten auch Erkenntnisse einer neuen Meta-Studie darauf hin, dass die reale Letalitätsrate – über alle Altergruppen hinweg eher bei ca. 0,25% liegt. Viele Menschen scheinen kaum oder nur sehr schwache Symptome zu entwickeln.

Im Ergebnis liegt das deutschlandweite Durchschnittsalter der Corona-Opfer bei 82 Jahren. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 81 Jahren!

Hinzu kommt überdies, dass die Definition „an oder mit / im Zusammenhang mit Corona verstorben“ auch Fälle einschließt, die nicht allein kausal an Corona versterben. Das können alle anderen Gründe sein, z.B. Multimorbidität, wie sie bei sehr alten Menschen öfter vorliegt. Sobald zusätzlich ein positiver Testbefund vorhanden ist, geht der Fall in die Corona-Opfer-Statistik ein.

Selbst bei Unfallopfern wäre das der Fall. Ein drastisches Beispiel kann dies verdeutlichen: Nach dieser Zählweise wäre auch George Floyd ein Corona-Toter! Allerdings dürften solche Fälle die statistische Ausnahme darstellen. Bzgl. der o.g. viel relevanteren Multimorbidität liegen nach unserer Erkenntnis leider noch keine belastbaren repräsentativen Daten vor, Einzelbefunde deuten aber auf den starken Einfluss von Vorerkrankungen auf schwere Verläufe hin.

Auch ohne Corona sterben täglich in Deutschland 2.600 Menschen – ein vielfaches der bislang zu beklagenden täglichen Corona-Opfer. Auch wenn diese „statistische Betrachtungsweise“ natürlich nicht der subjektiven Tragik jedes einzelnen Verlusts gerecht wird!

Vor diesem Hintergrund lassen sich zur Zeit zwei „Ansichten“ bzw. grundsätzliche Haltungen in der Wirtschaft, Politik und der gesamten Gesellschaft erkennen:

  • Fokussierung auf Eindämmung der Infiziertenzahlen ggf. durch wiederholten Lockdown vs.
  • Fokussierung auf Schutz besonders Gefährdeter kombiniert mit „leben lernen mit dem Virus“

Erstere Haltung ist eigentlich nur unter Berücksichtigung der Hoffnung auf eine Lösung durch wirksame Impfstoffe erklärbar. Bis diese allerdings in der Breite der Bevölkerung verteilt sind, können nach Ansicht mancher Experten noch 2-3 Jahre vergehen.

Tipps zu aktuellen konkrete Unterstützungsfaktoren für KMU, Mittelstand, Freiberufler und Selbständige finden Sie hier: https://kmu-management.de/corona-hilfe-kmu/.